Kitapersonalverordnung

Möglichkeiten der Kita-Personalverordnung

Die KitaPersV eröffnet im § 10 Abs. 1 bis 4 verschiedene Wege in das „Berufsfeld Kita“ sowohl für Personen aus verwandten Berufsgruppen als auch für interessierte Personen anderer Berufsfelder und Professionen. Im Folgenden werden die neu eröffneten Möglichkeiten im Rahmen der KitaPersV zur Fachkräftegewinnung und –qualifizierung dargestellt.

Anerkennung gleichartige und gleichwertige Kraft

Entsprechend § 10 (1) KitaPersV können Personen mit gleichartigen und gleichwertigen Qualifikationen, die keine pädagogischen Fachkräfte mit staatlicher Anerkennung gem. § 9 KitaPersV sind, im Rahmen des notwendigen pädagogischen Personals zu 100% eingesetzt werden. Dabei muss die Qualifikation einer gleichartigen und gleichwertigen Kraft mindestens der Fachschulausbildung der Fachrichtung Sozialpädagogik entsprechen.

Unter einer gleichartigen Qualifikation wird die Fähigkeit zur selbständigen und eigenverantwortlichen pädagogischen Arbeit im Arbeitsfeld Kita in den Bereichen Bildung, Erziehung, Betreuung und Versorgung in der Kindheit verstanden. Gleichwertig ist eine Qualifikation, wenn diese mindestens auf Fachschulniveau vorliegt, z.B. in Form einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Grundsätzlich dient das Anforderungsprofil der Erzieher_in als Vorlage zur Beurteilung: Ist die betreffende Kraft im vorgesehen Arbeitsgebiet mindestens ebenso einsetzbar wie eine staatlich anerkannte Erzieher_in?

Gleichartige und gleichwertige Kräfte können Personen aus verwandten Berufsgruppen sein, die durch Vorbildung, Praxistätigkeit und Fortbildung gleichartige und gleichwertige Kompetenzen z.B. im Rahmen eines individuellen Bildungsplans erreicht haben. Dies können Heilerziehungspfleger_innen nach Abschluss eines entsprechenden Brückenkurses sein. Auch die Absolvent_innen der modellhaften Bachelorstudiengänge „Sprache und Sprachförderung in Sozialer Arbeit“ und „Musikpädagogik und Musikvermittlung in Sozialer Arbeit“ der Hoffbauer-Stiftung oder Personen mit ausländischen Abschlüssen, die keine staatliche Anerkennung haben, können zu diesen Personengruppen gehören.

Beschäftigung

im Rahmen einer tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung gemäß § 10 Abs. 2

Entsprechend § 10 (2) KitaPersV können Personen, die eine tätigkeitsbegleitende Qualifizierung absolvieren, für den Zeitraum ihrer Qualifizierung mit 70% ihres praktischen Tätigkeitsumfangs im Rahmen des notwendigen pädagogischen Personals eingesetzt werden. Ziel der tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung ist, einen Abschluss gemäß § 9 (1) KitaPersV als pädagogische Fachkraft zu erlangen.

Neben der dreijährigen tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung an Fachschulen in öffentlicher oder freier Trägerschaft mit dem Abschluss „staatlich anerkannte Erzieher_in“ gibt es im Land Brandenburg eine zweijährige Qualifizierung zur Erzieher_in für den Bereich der Kindertagesbetreuung („Profis für die Praxis“). Der erfolgreiche Abschluss dieser zweijährigen tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung zur Fachkraft für den Bereich Kita mündet auf Antrag in die Bescheinigung gleichwertiger Fähigkeiten gemäß Sozialberufsgesetz, ohne dass eine Anerkennung als „staatlich anerkannte Erzieher_in“ erfolgt.

Der Weg einer tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung ermöglicht insbesondere Personen, die bereits Berufserfahrungen in anderen Arbeitsfeldern gesammelt haben, sich im Laufe Ihrer Biographie für eine Tätigkeit als Erzieher_in neu entscheiden zu können. Zumindest im bescheidenen Rahmen kann bereits während der Ausbildungszeit der eigene Lebensunterhalt durch die berufliche Tätigkeit bestritten werden. Ausschlaggebend ist - neben der grundsätzlich vorhandenen Motivation - die persönliche und gesundheitliche Eignung sowie eine fachliche Vorbereitung. Die fachliche Vorbereitung kann z.B. durch eine vierwöchige angeleitete Praxistätigkeit erlangt werden.

(siehe auch Auswahl geeigneter Bewerber)

Beschäftigung

im Rahmen einer individuellen Bildungsplanung gemäß § 10 Abs. 3

Entsprechend § 10 (3) KitaPersV können Personen, die sich auf der Grundlage eines individuellen Bildungsplanes weiterqualifizieren, für den Zeitraum ihrer Qualifizierung mit 70% ihres praktischen Tätigkeitsumfangs im Rahmen des notwendigen pädagogischen Personals eingesetzt werden. Ziel einer individuellen Bildungsplanung ist eine Anerkennung gem. § 10 (1) KitaPersV als gleichartige und gleichwertige Kraft in dem vorgesehenen Aufgabengebiet. Mit Abschluss des individuellen Bildungsplanes ist der Einsatz im Rahmen des notwendigen pädagogischen Personals zu 100% in dem jeweiligen Aufgabengebiet möglich. (Der individuelle Bildungsplan kann auch in eine tätigkeitsbegleitende Qualifizierung einmünden, um einen Berufsabschluss gemäß § 9 (1) KitaPersV zu erlangen.)

Der Weg einer individuellen Bildungsplanung ist für Personen geeignet, die aus verwandten Berufsgruppen stammen und keinen neuen selbständigen Berufsabschluss anstreben. Diese ebenfalls die Tätigkeit in der Kita begleitende Qualifizierung außerhalb formaler Bildungsgänge setzt relevante Kenntnisse in nenneswertem Umfang voraus. Dieser Weg wird auch von Heilerziehungspfleger_innen gewählt, die als Fachkraft in allen Kindertagesstätten einsetzbar sein wollen. Zur Berufseinmündung von Hochschulabsolvent_innen nicht unmittelbar einschlägiger Ausbildungen z.B. Sozialarbeiter_innen/Sozialpädagog_innen (BA „Soziale Arbeit“), Erziehungswissenschaftler_innen, Grundschulpädagogen_innen, Psychologen_innen etc. ist eine individuelle Bildungsplanung angezeigt.

Basierend auf dem jeweiligen Kenntnis- und Erfahrungsstand der einzelnen Person kann sich die individuelle Bildungsplanung aus verschiedenen Qualifizierungsbausteinen zusammensetzen: Fortbildungsveranstaltungen, praktische Anleitung und Supervision oder Selbststudium. Für die Gruppe der Heilerziehungspfeher_innen gibt es sogenannte „Brückenkurse“ als organisierte Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der individuellen Bildungsplanung. Eine persönliche und gesundheitliche Eignung sowie eine fachliche Vorbereitung ist voraus zu setzen.

(siehe auch Auswahl geeigneter Bewerber)

Beschäftigung

zur Ergänzung und Erweiterung des fachlichen Profils einer Einrichtung gemäß § 10 Abs. 4

Entsprechend § 10 (4) KitaPersV können Personen aus anderen Berufsgruppen und Professionen mit 70% ihres praktischen Tätigkeitsumfangs im Rahmen des notwendigen pädagogischen Personals eingesetzt werden. Dieser Einsatz ist nur im Einzelfall möglich und kann sowohl projektbezogen (befristet) als auch dauerhaft erfolgen. Er muss in jedem Fall konzeptionell verankert sein. Bei einem dauerhaften Einsatz kann in der Regel nur eine Kraft pro Einrichtung gemäß §10 (4) genehmigt werden.

Nach länger andauernder qualifizierter Tätigkeit kann der Weg über eine individuelle Bildungsplanung nach § 10 (3) KitaPersV zur Anerkennung gemäß § 10 (1) KitaPersV als gleichartige und gleichwertige Kraft eröffnet werden.

Kräfte zur Ergänzung und Erweiterung des fachlichen Profils einer Einrichtung müssen weder über gleichartige und gleichwertige Qualifikationen verfügen, noch eine solche anstreben. Es können Personen aus verwandten Berufsgruppen sein wie z.B. Sportpädagog_innen, Musikpädagog_innen oder Personen aus anderen Berufsgruppen, die spezielle Aufgaben in einer Einrichtung übernehmen. Beispiele sind ebenfalls Handwerker_innen, Künstler_innen, Muttersprachler_innen anderer Sprachen etc., die im Rahmen eines zeitlich befristeten Projekts oder durch ihre konzeptionelle Einbindung in den pädagogischen Alltag das Qualifikationsprofil des gesamten Einrichtungsteams erweitern. Dabei ist eine persönliche und gesundheitliche Eignung sowie eine fachliche Vorbereitung dieser Personen Voraussetzung.

(siehe auch Auswahl geeigneter Bewerber)